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MdB Grotthaus zu Besuch im Erdkundeunterricht

Vor einigen Wochen haben wir, die Klasse 8e, uns mit dem Thema “Dritte Welt“ beschĂ€ftigt. Wir verfassten Briefe ĂŒber dieses Thema und schickten diese an den Bundestagsabgeordneten aus Oberhausen in Berlin, Wolfgang Grotthaus (56). Unsere Klasse bat in den Briefen um ein Treffen mit ihm. Dieses fand dann am 24.02.2003 bei uns in der Schule statt.

Als Herr Grotthaus in unsere Klasse kam, waren wir ungewohnt still. Herr Ebbers, unser Erdkundelehrer, wunderte sich. Zuerst zögerten wir mit unseren Fragen, doch als eine MitschĂŒlerin die erste Frage stellte, war das Eis gebrochen. Die erste Frage lautete: “Warum wird das Thema ‘Dritte Welt’ in der Politik verdrĂ€ngt?“ Herr Grotthaus erzĂ€hlte uns, dass das Thema in den Medien manchmal zu wenig Beachtung finde, dass es aber dennoch nicht verdrĂ€ngt werde. Wenn man mal ehrlich sei, interessiere den einfachen BĂŒrger eher sein eigenes Leben als das, was in den “Dritte Welt-LĂ€ndern“ passiert. Keiner nehme die Armut dort richtig wahr. Es gebe jedoch einige Möglichkeiten, den Menschen in den armen LĂ€ndern zu helfen. Zum einen wĂ€re da die Entschuldungsoffensive fĂŒr die “Dritte Welt“. Zum anderen mĂŒsse man Krankenvorsorge und Altersvorsorge stĂ€rken und vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe einsetzen, das heißt, dass man die Entwicklungshilfe so geschickt einsetzt, dass die Menschen in den “Dritte Welt- LĂ€ndern“ zum Beispiel selbst Landwirtschaft betreiben können. Als letztes sei da noch der Anteil des Entwicklungshilfe-Budgets vom Bruttoinlandsprodukt, das von 0,3% auf 0,7 % zu erhöhen wĂ€re.  

Nachdem Herr Grotthaus die Frage gestellt bekam, ob er selbst schon mal in einem “Dritte Welt“- Land war, berichtete er unserer Klasse von seiner Reise nach SĂŒdafrika. Dort habe er sich zwar kein wirkliches Bild von der “Dritten Welt“ machen können, jedoch konnte er erahnen, wie es in diesen LĂ€ndern zugeht, da er auch in einem der Townships in SĂŒdafrika war. Dort lag die Aidsrate bei ĂŒber 40 %. Die Krankheitsrate war dort ebenfalls sehr hoch. Um die Armut und die Krankheiten ein wenig zu vergessen, betrinken  sich die Leute und so ist auch der Alkoholismus erschreckend hoch. Er erzĂ€hlte auch, dass er noch in anderen Teilen des Landes sei und sich dort ziemlich gewundert habe, denn von Armut war in diesen Regionen keine Spur. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in SĂŒdafrika unmenschlich hoch.

Dadurch, dass es “Deutschland im Moment wirtschaftlich nicht so gut geht“, könnte es sein, dass weniger Geld fĂŒr die Entwicklungshilfe zur VerfĂŒgung steht. Alle Menschen sollten auf einem gleichen Lebensstandard sein, dann könnte auch der Im- und Export mit den “Dritte Welt“- LĂ€ndern besser funktionieren. 

Geld fĂŒr Entwicklungshilfe ist kein verlorenes Geld, sondern gewonnenes. Die Menschen könnten sonst rebellieren und einen Krieg anzetteln. Ihnen ist es hinterher egal, ob sie durch Hunger oder Krieg sterben. Sie könnten glauben, dass der Krieg wenigstens eine kleine Hilfe aus dem Teufelskreis ist. Deshalb ist das Geld, wie gesagt, nicht in den Sand gesetzt. Oft beschweren sich Leute ĂŒber die hohe AuslĂ€nderanzahl in Deutschland, aber sie sollten sich einmal Gedanken darĂŒber machen, warum dieses eigentlich so ist. Wenn die armen LĂ€nder wirtschaftlich stabilisiert werden wĂŒrden, könnten die Menschen in ihren LĂ€ndern bleiben und hĂ€tten dort ihr Auskommen.

Außerdem erwĂ€hnte Herr Grotthaus, dass sich die Politik an der Mehrheit eines Landes orientiere. Wir nehmen das Beispiel Kaffee: Wenn die Mehrheit der Verbraucher und auch der Unternehmer bereit wĂ€ren, nur fair-gehandelten Kaffee zu kaufen oder zu verkaufen, wĂŒrde die Politik dieses auch umsetzen. Aber einfach so von der Politik verordnet, wĂ€re der Protest der Unternehmer und auch der Verbraucher in Deutschland sicher riesig.

SpĂ€ter sprachen wir noch darĂŒber, was wir als SchĂŒler fĂŒr die “Dritte Welt“ tun könnten. Er machte uns den Vorschlag, mit unserer Meinung an die Öffentlichkeit zu gehen, zu demonstrieren, unsere Meinung zu vertreten und andere davon zu ĂŒberzeugen sich unseren Idealen anzuschließen. Wenn die Mehrheit eines Landes sagen wĂŒrde, die Entwicklungshilfe soll auf 1 % des Bruttoinlandsproduktes steigen, wĂŒrde die Politik sicher nichts dagegen sagen.

Die Kindersterblichkeitsrate ist in den “Dritte Welt“- LĂ€ndern sehr hoch, meist sterben die Kinder schon, bevor sie ihr 10. Lebensjahr erreicht haben. Die Kindersterblichkeitsrate sollte sich minimieren, man muss den Kindern eine Chance geben, eine Zukunft zu haben.

Die Chance ist groß, wenn wir jungen Menschen in Deutschland diese Erkenntnis nicht verdrĂ€ngen.