Home Infos Archiv Programm der Bertha-Woche Infos zum Filmprogramm der Bertha-Woche
Infos zum Filmprogramm der Bertha-Woche

Montag, 5. 12. , 19.00 Uhr

Die Brücke

Deutschland(BRD) 1959
s/w 105 min
Regie: Bernhard Wicki
Mit Fritz Wepper, Folker Bohnet Volker Lechtenbrink,
Cordula Trantow, Günter Pfitzman u. a.

Der Film, der 14 Jahre nach Kriegsende in die Kinos der Bundesrepublik kam, stieß auf eine sehr positive Resonanz und wurde als Beispiel einer bisher ungewohnten ehrlichen und kritischen Auseinandersetzung mit der Kriegsvergangenheit, weit weg von aller Verherrlichung des Soldatentums, aufgenommen.

Erzählt wird die Geschichte des Schicksals einer Gruppe von sechzehnjährigen Schülern kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in einer deutschen Kleinstadt. Der Krieg hat die Stadt noch nicht erreicht, die Front ist aber nahe herangerückt. Von heute auf morgen werden die Jungen von der Schulbank weg eingezogen, erfahren eine „Schnellausbildung“ zum Soldaten und rücken schließlich zwei Tage später aus mit dem Auftrag, eine Flussbrücke vor dem Ort gegen die heranrückenden amerikanischen Truppen zu verteidigen. Die Sprengung der Brücke ist bereits beschlossen – davon wissen die Jungen aber nichts. Sie halten es für ihre Pflicht, die Brücke gegen die überlegenen heranrollenden Panzer zu verteidigen. Nur einer der Jungen überlebt den sinnlosen Kampf. Am Schluss des Films wird ein bitterer Kommentar eingeblendet: „Dies geschah am 27. April 1945. Es war so unbedeutend, dass es in keinem Heeresbericht erwähnt wurde“.Die Handlung basiert auf dem inzwischen wieder erhältlichen gleichnamigen Roman von Manfred Gregor.

Gelobt wurde der Film vor allem wegen seiner realistischen, schonungslosen Darstellung des Kriegselends und der Verblendung, in die die jugendlichen „Soldaten“ hineingeführt werden, die einen völlig sinnlosen Tod sterben. Viele kleine, genau gezeichnete Episoden verdeutlichen das Lebensgefühl und die Stimmung jener Zeit.

„Das Nein zum Krieg schreit aus jedem Bild“, schrieb der Filmkritiker Hellmut Haffner.

 

Dienstag, 6. 12. , 19.00 Uhr

Die durch die Hölle gehen

(The deer hunter)

USA 1978
 175 min
Regie: Michael Cimino
Mit Robert de Niro, Christopher Walken, John Savage, Meryl Streep

Michael Ciminos Film stellt eine der wichtigsten, aber auch umstrittensten Auseinandersetzungen in der Filmgeschichte mit dem Thema „Vietnamkrieg“ dar. Dieser Krieg (1964 – 75) bedeutet für den amerikanischen Patriotismus bis heute eine traumatische Erfahrung und hat zu einem regelrechten Genre des „Vietnamfilms“ geführt – als Beispiele seien genannt: „Apocalypse now“ von F. F. Coppola(1979), „Geboren am 4. Juli“ von Oliver Stone(1989) und „Platoon“, ebenfalls von Stone(1986), „Full metal jacket“ von Stanley Kubrick (1987); dazu gehören allerdings auch so unkritische Darstellungen wie die „Rambo“ –Filme(1982/85), die nicht Ursachen, Wahnsinn und Elend des Krieges thematisieren, sondern militaristisches Heldentum mit rassistischen Untertönen propagieren. Ciminos Film gilt in dieser Reihe als eines der kompromisslosesten, aber auch unbequemen und provozierenden Beispiele.

Erzählt wird die Geschichte dreier junger amerikanischer Stahlarbeiter, Nachfahren russischer Einwanderer, für die als Durchschnittsamerikaner die Befolgung der Einberufung nach Vietnam eine patriotische Selbstverständlichkeit darstellt. Die Hochzeit eines der drei Freunde vor dem Abflug wird zur Abschiedsfeier; nach einem gemeinsamen Jagdausflug sind sie in Vietnam (auf das Motiv des Jagdausfluges, das auch im weiteren Verlauf noch einmal eine Rolle spielt, bezieht sich der englische Filmtitel). In Vietnam gehen die Freunde im wahrsten Sinne des Wortes „durch die Hölle“ - sie geraten in Gefangenschaft, in der sie gezwungen werden, gegeneinander Russisches Roulette zu spielen. Diese Situation wird zu einer Schlüsselszene des Films – einer von ihnen verliert sein Gedächtnis und wird als drogensüchtiger professioneller Russisch – Roulette – Spieler in Saigon zurückbleiben; der verzweifelte Versuch seines Freundes, ihn zurückzuholen, endet tragisch.

Dieser Film predigt keinen falschen Heroismus, sondern zeigt den Krieg mit seiner Zerstörung und seinem Wahnsinn auch in seinen fatalen Konsequenzen für die Überlebenden: Aus den lebensfrohen, wagemutigen Jungs zu Beginn des Films sind schließlich psychische Wracks und Krüppel geworden.

Der Film wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet, u. a. für den besten Film und die beste Regie. Auf der Berlinale 1979 blieb ihm der Vorwurf des verborgenen Rassismus und der Herabwürdigung des Kampfes des vietnamesischen Volkes nicht erspart.

 

Donnerstag, 8. 12. , 19.00 Uhr

Gandhi

Großbritannien/Indien 1982
 188 min
Regie: Richard Attenborough
Mit Ben Kingsley, Candice Bergen, Edward Fox, John Gielgud,
Trevor Howard, John Mills
Musik: Ravi Shankar

 

Der Inder Mahatma Gandhi (1869 – 1948) ist zu einer der zentralen Symbolfiguren des gewaltlosen Widerstandes gegen Unrecht und Gewalt geworden. Sein Leben war bestimmt vom Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien ebenso wie für die Beseitigung von Ungerechtigkeiten in der hinduistischen Kastengesellschaft – mit den Mitteln des gewaltlosen Widerstandes.

Der Film erzählt die Lebensgeschichte Gandhis. Er beginnt mit seiner Ermordung im Jahre 1948 durch einen hinduistischen Fanatiker und schildert dann in einer ausführlichen Rückblende den Lebensweg des Politikers – von der ersten politischen Aktivität in Südafrika gegen die Rassendiskriminierung des Apartheidstaates über die Rückkehr nach Indien im Jahre 1914 bis zum schließlich erfolgreichen gewaltlosen Kampf gegen die britische Kolonialmacht. Geschildert werden aber auch die ergebnislosen Versuche Gandhis, zwischen den zerstrittenen Hindus und Moslems in der indischen Gesellschaft zu vermitteln. Die erreichte Unabhängigkeit Indiens war Gandhis größter Erfolg – die damit verbundene Teilung in Indien und Pakistan wegen der religiösen Gegensätze sah er aber als Katastrophe an.

Immer wieder wird Gandhis Lebensweg durch Gefängnisaufenthalte und Fastenaktionen unterbrochen. Prinzip seines Handelns bleibt die bedingungslose Gewaltfreiheit – selbst wenn die Kolonialmacht mit brutaler Unterdrückung reagiert, so im Massaker von Amritsar 1919.

Obwohl der Film als zu idealisierend und die Darstellung der Hauptfigur als „Heiligenbild“ kritisiert wurde, gelingt es ihm nach Meinung von Kritikern dennoch, Gandhis auch noch heute zeitgemäße Botschaft zu vermitteln: Gewaltlosigkeit, Würde des Menschen und Aufzeigen von Ungerechtigkeiten als unverzichtbare Werte einer humanen Gesellschaft.

Gedreht wurde an Originalschauplätzen. Der Film erhielt acht Oscars, unter anderem für den besten Film und die beste Leistung in Regie und Kameraarbeit und für den besten Hauptdarsteller. Der Regisseur Richard Attenborough attackierte 1987 mit „Cry freedom – Schrei nach Freiheit“ das Apartheidsystem in Südafrika.

Informationen nach: „Reclams Elektronisches Filmlexikon 2000“/“111 Meisterwerke des Films“ (Fischer Cinema TB)
Verantwortlich: Kießlich