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Polit-Talk zur Europawahl 2004

Von Äpfeln und Gurken        (hier Einladungsplakat   hier Fotos)

Zum dritten Mal fand am 12. Mai 2004 ein Politik-Talk im Bertha-von-Suttner-Gymnasium statt. Zum dritten Mal waren VertreterInnen der fünf größten Parteien zu Gast um an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen und sich den Fragen der Besucher zu stellen; diesmal zum Thema "Europa-Wahl". (Zu Gast waren Felix Pithan (PDS), Manfred Lorentschat (Grüne), Petra Kammerevert (SPD), Prof. Dr. Jürgen Zimmerling (CDU) und Gerd Arlt (FDP). Als Moderator hatte sich wieder Holger Füngerlings zur Verfügung gestellt.)
Auch dieses Mal wurde die Veranstaltung von der Schülervertretung des Bertha organisiert, die durch sämtliche Klassen und Kurse gegangen war, Kontakt mit anderen Schulen aufgenommen und zahlreiche Plakate aufgehängt hatte (für deren Gestaltung diesmal eigens ein Künstler verpflichtet wurde). Trotzdem: die SV war bei diesem Thema vorsichtig: In der mit maximal 250 Stühlen zu bestuhlenden Aula hatte sie knapp über 150 aufgestellt. Es gab freie Plätze.
Das Publikum setzte sich schließlich zusammen aus verpflichteten SoWi-Kursen, Parteifreunden der Podiumsteilnehmer (was sich noch als strategisch ausgesprochen clever erweisen sollte) und, ja, einigen tatsächlich ehrlich Interessierten. Von den sonst so sehr um die allgemeine politische Bildung besorgten Lehrerinnen und Lehrern des Berthas waren ganze fünf gekommen. Von der Presse niemand.
Ein bisschen zynisch klang das da schon, als Holger Füngerlings Zahlen über die Entwicklung der Wahlbeteiligung vorlas.
Wenigstens waren die fünf Politiker merklich bemüht, denjenigen, die gekommen waren, den hohen Stellenwert von "Europa" (eine Differenzierung des Begriffs wurde den ganzen Abend über tunlichst vermieden) deutlich zu machen, bisher Erreichtes zu loben und einen zuversichtlichen Eindruck zu machen, dass alles noch viel, viel besser wird mit der Ost-Erweiterung und der (ja immer noch über uns schwebenden) Verfassung. Weitere Themen des Abends waren die Frage nach einer eventuellen Aufnahme der Türkei sowie "der Irak" (was das mit den Wahlen zum Europäischen Parlament zu tun hat, weiß wohl die SV allein).
Die Diskussion selbst verlief, nicht zuletzt dank der rigiden Moderation, überraschend ruhig ("sachlich" wäre wohl das falsche Wort). Leider bestätigten die Parteienvertreter dafür zwei andere Vorurteile gegenüber Politikern umso mehr. Zum einen schafften sie es hervorragend unangenehmen Themen und Fragen auszuweichen und stattdessen von völlig anderen Dingen zu erzählen. Zum anderen schien einigen (nicht allen) der Podiumsteilnehmer die Fähigkeit sich kurz zu fassen (oder der Wille) völlig zu fehlen; was nicht nur zu merklicher Unaufmerksamkeit einiger Zuhörer sondern auch zu schlechter Stimmung führte (der Unmut des Publikums war zuweilen deutlich zu hören).
Vielleicht war der Zeitpunkt, kurz vor der Pause, einfach ungeschickt gewählt und einige Gäste einfach schon zu gelangweilt um eine größere Debatte über die Normung von Äpfeln und Gurken zu beginnen; jedenfalls war die Atmosphäre während der Pause eindeutig und die Aula nach der Pause leerer.
Im zweiten Teil der Veranstaltung schienen die Themen (man sprach über Folter, Religion und den Freiheiten einen Krieg zu beginnen) eher dem Interesse des Publikums zu entsprechen. Es wurden mehr Fragen gestellt und von Zeit zu Zeit entstand tatsächlich so etwas wie eine wirkliche Diskussion zwischen den Vertretern unterschiedlicher politischer Richtungen untereinander; aber auch zwischen einzelnen Politikern und Zuschauern. Da störte es auch nicht mehr, dass sich die Veranstaltung eher zu einem allgemeinen politischen Forum verwandelt hatte (wo es wohl letztlich allen egal war, wofür das EP nun Kompetenzen hat und wofür nicht). Hauptsache schien am Ende nur, dass keiner der Anwesenden eingeschlafen war.

Wirklich begeistert war am Ende wohl keiner der Gäste (den meisten Applaus bekam Alpay Efé für die Gestaltung des Plakates!). Schade, denn der Abend hätte eigentlich allen etwas bringen können. Den Politikern hätte es gelingen können, einen kleinen, aber wirkungsvollen Beitrag zum wichtigen Kampf gegen die allgemeine "Europa-Verdrossenheit" zu leisten. Und etwas lernen können hätte mit Sicherheit auch jeder der Gäste.
Es bleibt also die Hoffnung, dass sich die SV nicht entmutigen lässt und weitere Polit-Talks organisiert, dann aber mit Parteienvertretern, die dem Publikum nicht die Lust am Zuhören nehmen. Und es bleibt die Hoffnung, dass dann vielleicht mehr Interessierte kommen.
Wichtig sind solche Veranstaltungen, das hat diese deutlich gezeigt.
(David Hugo, Jg. 12)