Home Infos Archiv Polit-Talk
Polit-Talk

... aus der Sicht des Moderators

Photos hier

Am 11.07.2002 fand in der Aula des Gymnasiums eine Podiumsdiskussion statt, bei der versucht werden sollte, mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Die veranstaltende Schülervertretung ( SV ) konnte etwa 170 BesucherInnen begrüßen und ich hatte leichtsinnigerweise in einer schwachen Stunde zugesagt, die Moderation zu übernehmen.
Das Podium bestand aus:
Canan Soguk ( SV)
Stefan Bieroth ( SV)
Wolfgang Grotthaus, Mitglied des Dt. Bundestages ( SPD)
Marie-Luise Dött, Mitglied des Dt. Bundestages ( CDU )
Christian Opdenhövel, Bundestagskandidat ( F.D.P. )
Norbert Axt, Bundestagskandidat ( Bündnis 90 / Die GRÜNEN )
Fritz Meinike, Mitglied der PDS


Wie bei vielen solchen Veranstaltungen üblich, hatte ich Bedenken, dass die PolitikerInnen ihre professionellen Statements abgeben würden und eine Beteiligung aus dem Publikum kaum zustande käme. Doch es kam ganz anders: nach ersten Aussagen der PolitikerInnen zum Thema Politikverdrossenheit und Korruption gab es gleich Fragen aus den Reihen der SchülerInnen, die sich als kompetent und informiert erwiesen. Es erfolgte in den nächsten beiden Stunden ein reger Schlagabtausch zwischen hartnäckig fragenden SchülerInnen und antwortenden PolitikerInnen. Ein Streifzug durch die Themen Jugendpolitik, Arbeitsmarktprobleme, Kommunalpolitik und Abschiebungsmethoden wurde zu einer spannenden, engagierten und oft emotional geführten Debatte. Besonders beim Thema ‘Legalisierung von weichen Drogen’ ließen die Frager nicht locker, um ihren Standpunkt im Zusammenhang mit den ‘legalen’ Drogen Alkohol und Zigaretten zu verdeutlichen.
Als Moderator war es eine Wonne zuzuhören, welch hohes Interesse die SchülerInnen zeigten und wie selbstsicher sie ihre Fragen stellten.
Vorher war ich mir nicht sicher, ob ich der geeignete Moderator sein würde, den Spannungsbogen zwischen Profipolitikern und interessierten SchülerInnen hinzubekommen, aber es machte Spaß, ich spürte keinen Druck, und ich hatte das Gefühl, auf einer tollen Veranstaltung zu sein, die offen von allen Seiten geführt wurde.
Besonders beeindruckt hat mich die hohe Teilnehmerzahl; die SV hatte im Vorfeld ihre Hausaufgaben gemacht und eine sehr gute Mobilisierungsarbeit geleistet.
Ich fand, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war und würde mir wünschen, dass es nicht die letzte ihrer Art war......
Mich würde interessieren, wie die SchülerInnen den Polit-Talk fanden; was kann man noch besser machen? Vielleicht kann ich auf der Homepage einige Reaktionen nachlesen?
Und da sage mir einer, die Jugend wäre unpolitisch........
(Holger Füngerlings)

...aus der Sicht einer Schülerin

Am Donnerstagabend (11.07.2002) hatten Schüler/innen, deren Eltern und andere  Politikinteressierte die Möglichkeit, Auge in Auge mit Stellvertretern einiger Parteien (CDU, SPD, FDP, PDS und Bündnis 90/Die Grünen) zu stehen.
In der Aula des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums konnte das zahlreich erschienene Publikum Fragen zu ausgewählten Themen stellen, aber auch Kritik üben an der Arbeit der Politiker.
Um den Gesprächsverlauf zu leiten, stand Holger Füngerlings (von terre-des-hommes) als Moderator zur  Verfügung, der auch die Schülervertreter (Canan Soguk und Stefan  Bieroth) in die Diskussion einbezog.
Zu Beginn dieses Berichts aus Schülersicht muss sicherlich gesagt werden, dass es nicht für jeden Politiker eine Selbstverständlichkeit darstellt, vor einer ‘Horde’ Schüler Rede und Antwort zu stehen. Wir bedanken uns bei den Politikern, die vorurteilslos diskutierten, argumentierten und machmal auch lautstark debattierten, ohne den Standpunkt zu vertreten, die Jugend sei nicht oder nur mäßig an der Politik interessiert. Dass diese Einschätzung richtig war, bewiesen an diesem Abend die meist kritischen Aussagen und Fragen seitens der Schüler.
Zunächst wurde allgemein von jeder Partei darauf hingewiesen,  wie wichtig jugendliches Engagement im politischen Bereich ist und es wurde Werbung gemacht für die Jugendorganisationen der einzelnen Parteien.
Dann folgten Schlagwörter wie Bildungspolitik, Legalisierung von weichen Drogen und Zuwanderung, die von den Politikern teils kurz, teils ausführlich angesprochen wurden.
Es entwickelte sich leider eine Art Streitgespräch zwischen der CDU und der SPD, an dem sich die drei anderen  Parteien wenig beteiligten. Welches Bild sollen wir uns nun von den übrigen  Parteien machen?

Zu loben sind die zahlreichen Wortmeldungen des Publikums, jedoch wurden diese nicht immer beantwortet oder durch  ‘Allerweltsparolen’ abgetan. Ein großer Streitpunkt hierbei war das Thema der Zuwanderung.
‘Warum gewähren wir nicht jedem Menschen Asyl, der in seinem Land leiden muss?’ So lautete die Frage eines Schülers.
Frau Dött (CDU): ‘Wenn wir jeden Menschen mit Problemen in unser Land lassen würden, dann würden auch unsere Probleme wachsen.’
Damit wurde das Aufeinandertreffen vieler verschiedener  Kulturen angesprochen, das für den Großteil der Jugendlichen als Vorteil für das Land angesehen wird, jedoch von vielen Politikern verhindert werden soll.
Es zeigt, dass derartige Zusammensetzungen (Politiker/Schüler) sinnvoll sind, um gemeinsam einen Kompromiss zu finden.

Eher kritisch beurteilen sollte man das Aufeinandertreffen der ‘Giganten’ - CDU und SPD.
Zu Beginn des Polit-Talks sagte die Schülerin Canan Soguk offen, sie habe, wie viele andere Jugendliche auch, Vorbehalte gegen Politiker, da diese neben der politischen Arbeit auch durch Affären, Lügen und Korruption auffallen.
Um diese Vorurteile aufzuheben, veranstalteten Vertreter besagter Parteien eine ‘Schlammschlacht’  aller: ‘Der hat angefangen zu lügen!’
Wir Schüler wussten am Ende der Diskussion weder, wer recht hatte, noch welche Information wirklich der Wahrheit entsprach (Schulausgaben, Einstellen der Lehrer).
An dieser  Stelle:
Liebe Herren und Damen Politiker, meinen Sie, durch Anschwärzen der politischen Gegner könnten Sie den Leuten das Bild eines engagierten und seriösen Politik-Ensembles vermitteln?’

Durch Gespräche mit zahlreichen Schulkollegen/innen erfuhr ich, dass sich die Mehrheit gewünscht hätte, jede Partei hätte ihre Ansichten und Vorstellungen zu gleichen Redebeiträgen vermittelt und wäre dann auf nur ein bis zwei Themen eingegangen.
Für einige Jugendliche stellten die fünf Vertreter lediglich eine Masse von Politikern dar, die gegeneinander fungierten, um Wählerstimmen zu sichern.

Diese Veranstaltung war insofern erfolgreich, als dass die Schüler/innen erfahren haben, wie wichtig es ist, kritisch die politische Arbeit zu hinterfragen und gemeinsam zu handeln, da die Missstände in der Zusammenarbeit der Parteien deutlich aufgezeigt wurden.
Polit-Talks dieser Art sollten auf jeden Fall mit evtl. einigen Verbesserungen, wie z.B. die Beschränkung der Themen auf eine geringere Anzahl, um so näher auf die einzelnen Probleme eingehen zu können, weitergeführt werden.
Es ist eine Chance, Einfluss auf das politische Geschehen zu nehmen oder zumindest nicht alles kritiklos hinzunehmen.

Ich freue mich schon auf den nächsten Polit-Talk!
(Rebecca Gewehr)