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Besuch im deutschen Bundestag

Bei unserem ersten Polit-Talk lud uns Herr Grotthaus, MdB, nach Berlin ein, um an einer Plenarsitzung teilzunehmen. Mit 40 Personen maximal dürften wir kommen! Gesagt, getan: die Planung begann, und am 26. Januar 2003 saßen wir mit insgesamt 40 Personen im ICE nach Berlin. (SOWI-Kurse und SV-SchülerInnen)
Die Stimmung im Großraumwagen war gut, drei schulfreie Tage und viel Interessantes lag vor uns. Vom Bahnhof Zoo ging es mit der S-Bahn drei Stationen zu dem vom Bundestagsbüro empfohlenen “Jugendgästehaus Central”, das seinem Namen alle Ehre machte! Es lag wirklich sehr zentral.Und es war ein Haus, und es gab Jugend in diesem Haus. Punkt. Der Wortbestandteil “Gäste” bedeutet vermutlich nur, dass man sich als Gast nicht beschweren darf! Stutzig machte uns schon, dass wir entgegen der Beschreibung im Internet in Sechsbett-Zimmern landeten. Noch stutziger machte uns, dass im Rezeptionsraum überall Werbung von umliegenden Pizzerien, Imbissstuben, Döner-Buden, etc. lag. Und alle priesen ihre Sonderangebote für Jugendliche an! Aber wir hatten ja Halbpension gebucht...
Nach der Zimmerverteilung und einem kleinen ersten Erkundungsgang verspürten wir alle Hunger und gingen erwartungsvoll in das uns zugedachte Essräumchen. Es sollte Spaghetti Bolognese geben und ein vegetarisches Gericht, als Dessert Obst. Nudeln sind immer gut für Jugendliche, oder? Dachten wir... Was dann allerdings auf den Tisch kam, dämpfte unseren Appetit doch sehr. “Unser Italiener” meinte, er wisse, was darin sei und beschloss die totale Verweigerung. Die Vegetarier (und die, die es dann schnell nach einem Blick auf die Bolognese werden wollten) guckten dumm in die dünne Tomatenbrühe und dann auf die Tellerchen mit Dosenobst. Ich erspare mir Einzelheiten, denn auch das nächste Abendessen war eine Katastrophe. Zum Glück hatten wir nur zweimal das “Vergnügen”, und die Werbezettel kamen zum Einsatz. Es ist ja bekannt, dass viele Jugendliche denken, Vitamine seien giftig, aber dass ein Jugendgästehaus sich derart darauf einstellt, dass überhaupt kein Gemüse oder Salat oder frisches Obst auf den Tisch kommt, fanden wir doch sehr beachtlich.
Am Abend gingen dann alle (bis auf Teile von 127!) Berlin erkunden. Und essen. Ku’damm rauf und runter. Und essen. S-Bahn-Tagesticket ausnutzen. Und essen.
Die Nacht war für die Betreuer angenehm. Niemand musste in 127 schlafen.
Nach dem Frühstück machten wir mit dem Bus eine Stadtrundfahrt, die sehr interessant war. Der Reiseleiter wusste eine Menge zu erzählen über das neue und das alte Berlin. Standing ovations erhielt er, als er beiläufig erwähnte, dass demnächst ein neues Jugendgästehaus entstehen sollte!
Am Schluss der zweistündigen sehr informativen Tour setzte er uns am Brandenburger Tor ab, wir machten auf den Stufen zum Bundestag die obligatorischen Gruppenphotos, denn ab hier waren Kameras tabu. Übrigens auch Käppis und Vereinsschals! Erst einmal hatten wir ein einstündiges Gespräch mit Herrn Grotthaus, der in bekannter Art ins Parlieren kam und zehn Minuten vor Schluss unsere Fragen hören wollte. Die fand er dann sehr interessant und bedauerte, dass die Zeit so schnell vergangen sei...
Ja, und dann war es endlich soweit! Würden wir Schröder sehen? Und Frau Dött in ihrem roten Kostümchen?
Nach etlichen Verhaltensmaßregeln (die interessanteste fand ich, dass wir, bevor wir einzuschlafen drohen, hinausgehen sollen!) konnten wir auf einer der Besuchertribünen Platz nehmen und den Plenarsaal bewundern. Und das war leicht, denn selten nur versperrte ein Abgeordneter den Blick. Die wenigen, die anwesend waren, wechselten schon mal “ins andere Lager”, um wenigstens ein bisschen Unterhaltung zu haben, andere telefonierten. Ein paar sprachen auch zu den Themen der Fragestunde und gaben mit monotoner Stimme vorbereitete Statements ab. Wie war das noch mit dem drohenden Einschlafen??
Geschafft! Wir durften unsere Sachen wieder einlösen und durchwanderten die Glaskuppel, durch die man einen sehr schönen Rundumblick auf Berlin hat. Draußen wunderten wir uns über Menschenauflauf und Polizeiaufgebot vor dem Hotel Adlon. Wollte etwa Michael Jackson wieder ein Kind über den Balkon halten?? Ein paar gezielte Fragen, und schnell erfuhren wir, dass alle auf Vicente Vox, den mexikanischen Präsidenten warteten. Übrigens ein gutaussehender Mann! (Anmerkung der Verfasserin)
Beim Abendessen (nein, ich sage jetzt nichts mehr dazu!) kam ein junger Mann, der uns für den nächsten Morgen zu einer Fernseh-Talkshow einlud. Leider hatten wir aber bereits den Zug zurück nach Oberhausen gebucht...
Der Abend war dann wieder für alle (bis auf Zimmer.. Ihr wisst schon) sehr schön mit Karaoke und essen und S-Bahn-Ticket ausnutzen und essen...
Insgesamt sind sich alle einig, dass die Zeit natürlich viel zu kurz war, dass wir trotzdem (bis auf 127) vieles gesehen haben und dass wir so eine Fahrt gern wiederholen möchten. Hoffentlich dann im neuen Jugendgästehaus, und dann ohne 127...
hier Photos