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Berthas Preis wird 100

Berthas Preis wird einhundert ....
.... und wir feiern eine ganze Woche lang.

 Vor einhundert Jahren bekam Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis zuerkannt. Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes und erster Träger dieser Auszeichnung, schrieb an Bertha am Tage nach der Bekanntgabe seiner Wahl den Brief mit den bekannten Worten, dass dieser Preis das Werk der Österreicherin sei. In der Tat, Bertha hat sehr viel mit diesem Preis zu tun. Sie war seit vielen Jahren mit Alfred Nobel befreundet und hatte immer wieder auf die Einrichtung eines solchen Preises gedrängt, nicht zuletzt, weil das Preisgeld dringend für die Friedensbewegung gebraucht wurde. Auch hatte sie darauf gesetzt, als erste mit dem Preis ausgezeichnet zu werden, was natürlich zu jener Zeit einer Sensation gleichgekommen wäre, hätte man ausgerechnet eine Frau als Preisträgerin benannt. Als sie schließlich als erste Frau den Friedensnobelpreis bekam, war das nicht minder außergewöhnlich.

Bertha und Alfred Nobel verband ihr Streben nach Frieden, nur wollten sie verschiedene Wege gehen. Alfred Nobel unterstützte zwar die Österreicherin, gab aber seiner Erfindung, dem Dynamit, größere Chancen, den Frieden schließlich zu erzwingen, da der Einsatz dieser Waffe ein Risiko für alle Kriegsführenden darstellen würde.

Diese Strategie der Friedenssicherung, wobei der Friede hier einem Zustand ohne Krieg gleichkommt, hat immer wieder Überlegungen von Politikern beherrscht, zuletzt als „Gleichgewicht des Schreckens“ im Kalten Krieg. Bertha jedoch vertrat einen konsequenten Pazifismus, der sogar dazu führte, dass sie sich in Briefen gegen Henri Dunant aussprach, dessen Eintreten für einen Rest von Menschlichkeit auf den Schlachtfeldern die Hemmschwelle bei Kriegsentscheidungen sicherlich senken musste. Als das Osloer Komitee ihren Wünschen nicht entsprach, drängte sie Henri Dunant, sich öffentlich zur Friedensbewegung zu bekennen. Der Schweizer tat dies in dem schon erwähnten Brief, mit dem er sich bei Bertha bedankte.

Berthas Name als Schulprogramm

In unseren Mythen glauben wir, dass eine Namensgebung wie ein Zauber wirkt. Etwas oder jemanden benennen heißt ja auch begreifen. So ergreifen Namen Besitz von einem Menschen, bestimmen und leiten so sein Leben.

Als Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts das Elsa-Brändström-Gymnasium zu klein geworden war, beschloss der Rat der Stadt Oberhausen ein zweites Mädchengymnasium einzurichten. Die neue Schule sollte auf einem unbebauten Block an der Bismarckstraße neben der Lutherkirche errichtet werden. Das Schulgebäude sollte zweckmäßig sein und einen modernen Zuschnitt bekommen, das war unbestritten. Der Name des neuen Mädchengymnasiums gab jedoch Anlass zu Diskussionen. Frau Dr. Fink, die Gründungsleiterin der Schule, trat für eine Benennung nach Bertha von Suttner ein, während Frau Schroer, ihre Nachfolgerin und langjährige Direktorin, sich für eine Benennung nach John F. Kennedy aussprach, dem gerade ermordeten amerikanischen Präsidenten, der vielen als ein Vorbild galt und insbesondere unter jungen Leuten eine Aufbruchstimmung bewirkt hatte. Frau Schroer konnte sich nicht durchsetzen und Frau Finks Vorschlag überzeugte die Mehrheit des neuen Kollegiums. Als jedoch Frau Schroer die Arbeit von Frau Dr. Fink fortsetzte, hatte gerade sie den Namen der Schule als eine Verpflichtung verstanden, und so entwickelte sich schon früh am Bertha-von-Suttner-Mädchengymnasium ein Schulprogramm, lange bevor es diesen Begriff gab. Schülerinnen und später auch Schüler, Lehrerinnen und Lehrer haben sich in der nunmehr vierzigjährigen Geschichte der Schule mit Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Unterrichtszeit immer wieder für den Frieden eingesetzt.

So soll es auch in diesem Jahr sein, wenn die Schule an die Preisverleihung an ihre Namensgeberin und an deren Anliegen eine ganze Dezemberwoche lang erinnert. Der 10. Dezember ist der Todestag Alfred Nobels und ist heute der Tag der Menschenrechte und der Tag, an dem in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen wird. In der Schulwoche davor wird es während und außerhalb der Unterrichtszeit eine ganze Reihe von Veranstaltungen geben: Kunstprojekte, Musik und Gesang, eine Ausstellungseröffnung, Filmvorführungen und Fußballturniere, sowie andere sportliche Aktivitäten. Die zentrale Veranstaltung wird ein Festakt sein. Herr Dr. Klaus Hänsch, Mitglied des Europäischen Parlaments und dessen ehemaliger Präsident, wird die Festansprache halten und die Erste Bürgermeisterin unserer Stadt, Frau Gretel Kühr, die auch Schirmherrin der Erinnerungswoche ist, wird ein Grußwort sprechen.

Wie viele vielleicht nicht wissen, dass Bertha nicht nur die erste Friedensnobelpreisträgerin ist, sondern den Preis auch ins Leben gerufen hat, so ist möglicherweise auch nicht bekannt, dass sie schon sehr früh, in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts, im Rahmen ihrer Friedensbemühungen ein vereinigtes Europa forderte. Das vereinigte Europa sollte im Innern und nach Außen für immer den Frieden sichern. Mit der politischen Union der Länder Europas sollte nach den Vorstellungen Bertha von Suttners eine Werte- und Rechtsgemeinschaft einhergehen. Berthas Ideen erweisen sich aus heutiger Sicht als geradezu visionär; zu erfahren, dass der Verwirklichung dieser Vision zwei verheerende Kriege vorangingen, blieb ihr erspart.

Bertha von Suttner und der europäische Gedanke - diesem Thema wird ein Gesprächspodium gewidmet sein, zu dem wir Herrn Dr. Manfred Dammeyer und Frau Bärbel Höhn, beide aus Oberhausen und ehemalige Mitglieder nordrhein-westfälischer Landesregierungen – Frau Höhn ist Mitglied des Bundestages - sowie die Journalistin Bettina Gaus und den Friedensforscher Professor Hans-Joachim Schmidt eingeladen haben.

Das Programm, das im Folgenden ausgedruckt ist, ist eine herzliche Einladung an die Schulgemeinde, die Freunde und Förderer sowie die Öffentlichkeit, die Veranstaltungen zu besuchen.

Wer mehr über das Leben von Bertha von Suttner erfahren möchte, erhält im Sekretariat ein Faltblatt, das Matthias Richtsteig und Helge Schräder erarbeitet haben. Es gibt jetzt auch Postkarten des Bertha, die AlpayEfe gestaltet hat.

Viele Schülerinnen und Schüler haben mit ihren Lehrerinnen und Lehrern an der Gestaltung der Erinnerungswoche mitgewirkt. Ihnen gilt unser Dank und unsere Anerkennung.

Die Veranstalter dieser Woche sind das Bertha-von-Suttner-Gymnasium und die antifaschistische AG des Bertha.

 Als Mitveranstalter treten auf:
GEW, Oberhausen
Gedenkhalle Oberhausen
DFG-VK

 Die Schirmherrschaft hat inne: Frau Gretel Kühr, 1. Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen